Gefangene helfen Jugendlichen | Konzept

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1. Wir über uns


Der gemeinnützige  Förderverein gegen Jugendgewalt e.V.  wurde im Dezember 2006 in Flensburg von einer Gruppe gegründet, die auch im täglichen Leben mit schwierigen und gewaltbereiten Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen umgeht. Unser Verein beschäftigt sich im Schwerpunkt mit Präventionsarbeit und führt Projekte in Flensburg mit eigener  Manpower  durch. Wir unterstützen bei Bedarf auch gewaltpräventive Projekte anderer.

Einen weiteren Schwerpunkt unserer Vereinsarbeit bildet unser Projekt  Gefangene helfen Jugendlichen SH , das wir in Kooperation mit dem Verein  Gefangene helfen Jugendlichen e.V.  aus Hamburg und Norderhelp e.V. aus Neumünster durchführen. In seiner Arbeit greift der Verein auf individuell entwickelte Konzepte zurück, die teils einen sozial-therapeutischen Hintergrund haben.

Der Verein möchte:
Kinder und Jugendliche bezüglich der Thematik  Gewalt  sensibilisieren

  • die Empathiefähigkeit von Kindern und Jugendlichen fördern
  • das Selbstbewusstsein von Kindern und Jugendlichen stärken
  • Kindern u. Jugendlichen Verhaltensweisen aufzeigen, Konflikten möglichst positiv, konstruktiv und gewaltfrei zu begegnen

 

1.1 Kooperation mit dem Verein  Gefangene helfen Jugendlichen e.V.

 

Das Projekt des Fördervereins entstand in Kooperation mit dem Verein  Gefangene helfen Jugendlichen e.V.  aus Hamburg, der sich mit seinem Konzept bereits seit einigen Jahren etabliert hat und der Projektentwicklung in Schleswig-Holstein fördernd zur Seite steht.

2. Einleitung


Die Arbeit des Projektes  Gefangene helfen Jugendlichen SH  Vereins richtet sich an Jugendliche zwischen 14 und 21 Jahren, die am Rande einer kriminellen Laufbahn stehen oder bereits straffällig geworden sind. Sie sollen mit den negativen Auswirkungen von Gewalt und Kriminalität konfrontiert werden und die schwerwiegenden Konsequenzen verdeutlicht bekommen, die ein Absinken in die Kriminalität mit sich bringen.

Die Besonderheit besteht darin, dass Gefangene von  drinnen  mit den Jugendlichen  drauûen  Kontakt aufnehmen. Den Schwerpunkt des Besuchs vor Ort legt das Team des Fördervereins auf das Gespräch zwischen delinquenten Jugendlichen und ausgewählten, verantwortungsvollen Insassen, die ihre Taten bereuen.

Der Besuch soll:

  • die Gedanken und Lebensplanungen der Jugendlichen erreichen.
  • Irritationen in die Klischees und Stereotype der Jugendlichen von Kriminalität, Gefängnis und Gewalt bringen.ein Denkanstoß für die Jugendlichen sein; Denken und Handeln müssen die Jugendlichen selbst.


Neben diesem kriminalpräventiven Ansatz dient das Projekt auch den teilnehmenden Gefangenen durch die Stärkung der Verantwortungsbereitschaft für die Gesellschaft. Die erneute Reflexion der Straftaten und der Entstehungsgeschichte verfestigt die Abkehr von einem Leben mit Straftaten. Die erlebte Aufmerksamkeit der Jugendlichen und die damit empfundene Aufwertung der eigenen Persönlichkeit dient dem Aufbau eines gesunden Selbstbewusstsein. Zudem wird eine Perspektive geboten, ohne die Begehung von
Straftaten gesellschaftliche Anerkennung zu erfahren.

Die Auswahl der Gefangenen findet im Rahmen eines komplexen Verfahrens statt: Erwachsene Strafgefangene können sich beim Team des Fördervereins gegen Jugendgewalt e.V. bewerben oder werden gezielt von diesen aufgrund von Erfahrungen und persönlichen Gesprächen oder von den zuständigen Vollzugsabteilungsleitungen angesprochen. Die "Neuen" werden über die Vollzugsabteilungsleitung zunächst nur zu den Teamsitzungen eingeladen. Nach einiger Zeit begleiten sie - auf Antrag - als "teilnehmender Beobachter" zwei bis drei Besuche von Jugendlichen und reflektieren diese Treffen in den Teamsitzungen.

Hier werden ambivalente Beiträge der anderen ständig angesprochen und diskutiert. Erst dann steigen sie aktiv in die Gespräche mit den Jugendlichen ein - auch hier muss die Anstaltsleitung ihre Zustimmung geben. Die Inhaftierten erhalten keine Privilegien.

3. Projektbeschreibung

3.1. Zielgruppe

 

  • abgeurteilte und verurteilte männliche Jugendliche, und
  • gefährdete Jugendliche (der Besuch der JVA dient der Prävention und erfolgt auf freiwilliger Basis).
  • Erwachsene Strafgefangene (die auf freiwilliger Basis zur Stärkung der gesellschaftlichen Verantwortlichkeit)

 

3.2 Ziel der Maßnahme

Im Rahmen des Projektes, bekommen männliche Jugendliche zwischen 14 und 21 Jahren die Möglichkeit, den Gefängnisalltag in einer JVA (z.B. Neumünster) kennenzulernen und mit Gefangenen zu sprechen.

Ziele der Maßnahme für die Jugendlichen sind:

  • die Jugendlichen für die Folgen von Gewalt und Kriminalität zu sensibilisieren,
  • das Bewusstsein für ihr eigenes Verhalten und die Einsicht in die Notwendigkeit einer Steuerung und Beherrschung des eigenen Verhaltens zu wecken.
  • die schwerwiegenden Konsequenzen und die Perspektivlosigkeit von Kriminalität zu erfahren
  • den Jugendlichen eine intensivere Auseinandersetzung mit ihrem eigenen (möglicherweise delinquenten) Verhalten nahezulegen.


Das kriminelle Handeln Jugendlicher wird mit dieser Maßnahme in den Kontext ihrer eigenen Lebensperspektive gestellt und einer situativen Motivation im Gruppenzusammenhang (Clique) bzw. einer spontanen Bedürfnisbefriedigung gegenübergestellt.

Damit können subjektiv bedeutsame, aber im Widerspruch stehende Einstellungen gleichzeitig aktiviert werden. Im Rahmen einer inhaltlichen Kontroverse kann diese sozialpsychologische Intervention zu langfristigen, positiven Verhaltensänderungen beitragen.

Zusätzlich werden den Jugendlichen die Konsequenzen eines Haftaufenthaltes vermittelt.  Ihnen soll deutlich werden

  • dass die Zeit in der Haftanstalt viele Insassen an persönliche Grenzen führt,
  • dass Angehörige von Inhaftierten Besuche der JVA als besonders schamvoll erleben,
  • dass der bisherige Freundeskreis (und damit auch die Freundin) der Insassen sich zumeist abwendet,
  • dass die berufliche Zukunftsperspektive negativ ist und
  • dass ausländische Jugendliche von Abschiebung bedroht sind.

 


Ziele der Maßnahme für die Strafgefangenen sind:

  • Den teilnehmenden Gefangenen die Chance geboten, zu helfen.
  • Eine Stärkung des Selbstwertgefühls  Ich werde gebraucht .
  • Die Gefangenen lernen mit Ihren eigenen devianten Lebensläufen natürlich umzugehen.

Die Erfahrungen des Hamburger Projekts in der JVA Fuhlsbüttel zeigen, dass die Rückfallhäufigkeit der teilnehmenden Gefangenen signifikant niedriger zur übrigen Entlassenenklientel ist. Die Verbundenheit mit dem Projekt endet in aller Regel nicht mit der Entlassung. So stellt der Verein auch nach der Entlassung eine Anlaufstelle für die Gefangenen dar.

3.3 Durchführung

Die Jugendlichen erleben beim Besuch der JVA sämtliche Routinekontrollen der Justizvollzugsbediensteten am eigenen Leib (z. B. Körperkontrollen, Türschleusungen). Die Hafträume werden besichtigt und ein Eindruck vermittelt, in welcher Atmosphäre (Geräusche, Stimmen) die Inhaftierten einen Großteil ihrer Zeit verbringen. Ein Kurzfilm dient der Dokumentation des Tagesablaufs eines Häftlings in Untersuchungshaft (Zeitraffer).

Anschließend schildern die Gefangenen in einer kleinen Gruppe ihren persönlichen Werdegang, ihre Vergehen und die jetzige Sicht auf ihre Vergangenheit. Die örtliche Herkunft, die familiären Verhältnisse und die Ansichten über Jugend und Zukunftsperspektive der Inhaftierten und Jugendlichen stehen zu Beginn der Diskussion im Mittelpunkt.

Bei der Vorbereitung eines Besuchs berücksichtigen die Insassen den ethnischen Hintergrund (deutsch, russisch, türkisch, usw.) der Jugendlichen, um über eine darauf abgestimmte interne Personenauswahl, eine größtmögliche éhnlichkeit zu erreichen, die ihre Glaub- und Vertrauenswürdigkeit positiv beeinflussen soll.  Danach werden die Haftbedingungen dargestellt. Exemplarisch führen kleine Rollenspiele den Jugendlichen anschaulich vor Augen, was in einer Justizvollzugsanstalt möglich ist und mit welchen
psychischen Belastungen im Alltag zu rechnen ist.

Einen zentralen Stellenwert im Gespräch erhalten Kriminalität und Gewaltbereitschaft. Die Inhaftierten schildern ihre persönlichen Erfahrungen (Legitimation von Gewalt, Anerkennung/Respekt durch Gewalt, Gruppendruck) und antworten auf Fragen der Jugendlichen. Das Gespräch findet in einer freundlichen, aber gegebenenfalls auch konfrontativen Atmosphäre statt.

Jugendlichen, die sich cool und gleichgültig zeigen, wird deutlich gemacht, dass die Gefangenen früher selbst mit der festen öberzeugung aufgetreten sind,  sie seien schlauer als andere und würden nicht erwischt , oder der Meinung waren  zwei, drei Jahre Knast seien schon nicht so schlimm ).

3.4 Vor- und Nachbereitung


Die Jugendlichen werden vor ihrem Besuch in der Haftanstalt durch das Team des  Fördervereins gegen Jugendgewalt e.V.  vorbereitet.

Die Vorbereitung des Besuches dient dem Zweck, den Jugendlichen Informationen über das Projekt zu vermitteln, sowie Rahmenbedingungen und Verhaltensweisen festzulegen.

Die Rahmenbedingungen beinhalten, dass die Jugendlichen

  • ausgeschlafen sein sollen, damit sie in der Lage sind die Informationen aufzunehmen.
  • nicht alkoholisierte sind (auch kein Restalkohol!)
  • nicht bekifft sind.
  • weder Handys noch Geld oder Schmuck mit in das Gefängnis nehmen dürfen.
  • keine Zigaretten mit in das Gefängnis nehmen dürfen.

Verhaltensregeln:
  • Keine provozierenden éußerungen und Gebärden gegenüber den Häftlingen, die zu unnötigen Konflikten führen könnten.
  • Keinen Kaugummi kauen.
  • Keine  coole Nummer schieben .
  • Sich an Anweisungen halten.


Im Vorbereitungsgespräch werden die Jugendlichen, neben der Festlegung der Rahmenbedingungen und der Verhaltensregeln, mit ihrem oft falschen Bild von Haft konfrontiert. Hier zeigt sich immer wieder, wie stark die Vorstellung von der medialen Welt geprägt ist und das Knastbild der Jugendlichen sich reduziert auf  da bin ich in der Knastgang ganz oben ,  ich mache den ganzen Tag Sport  etc.

Vor dem Besuch sollen sich die Jugendlichen Fragen überlegen und ihre Vorstellungen über das Leben in einem Gefängnis zusammentragen. Hilfreich ist es auch, wenn sie ihre persönlichen Lebensperspektiven und beruflichen Ziele vor dem Besuch aufschreiben würden, um beim Besuch in der Haftanstalt anschaulich zu erfahren, wie eine Gefängnisstrafe diese Wünsche und Erwartungen zunichte machen könnte.

Im Anschluss an den Aufenthalt erfolgt eine angemessene Nachbereitung, um offene Fragen zu diskutieren, die persönliche Betroffenheit zu erfragen und eventuelle psychische Belastungen verarbeiten zu können. Einzelne Aspekte des Besuches werden noch einmal aufgegriffen und vertieft, eventuelle Handlungskonsequenzen abgeleitet.

3.5 Kooperationspartner

Das Projekt dient sowohl der Prävention von Jugendkriminalität als auch der Resozialisierungsarbeit der Justizvollzugsanstalt. Es bedarf daher einer vertrauensvollen und engen Kooperation der beteiligten Behörden und Vereine:

 

Gefangene helfen Jugendlichen e.V.

Wandsbeker Königstraße 50
22041 Hamburg
Geschäftsführer: Volkert Ruhe
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Der Verein Gefangene helfen Jugendlichen e.V.  arbeitet seit 1996 sehr erfolgreich in der Justizvollzugsanstalt Fuhlsbüttel. Der Verein steht der Projektentwicklung in Schleswig-Holstein fördernd zur Seite. In Hamburg wurde die Arbeit ursprünglich von drei Inhaftierten initiiert. Der Grundgedanke war, gefährdete Jugendliche aller Nationalitäten durch Konfrontation mit Knast und Gefangenen von einer kriminellen Laufbahn abzubringen. Betroffene Jugendliche sollten vor den gravierenden und folgenschweren Konsequenzen von Kriminalität (hier auch insbesondere einer drohenden Abschiebung) bewahrt werden.

 

Norderhelp e.V.

Boostedter Straße 30
24534 Neumünster
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2. Vors. Herr Berger

Der Verein Norderhelp e.V. ist als Gefangenenfürsorgeverein in Schleswig-Holstein tätig. Schwerpunkte der Vereinsarbeit sind die individuelle Hilfe für Gefangene durch Finanzierungshilfen; die Anschubfinanzierung von Therapie- und Freizeitmaßnahmen sowiedie Betreuung Ehrenamtlicher in der Gefangenenarbeit.

Das Projekt  Gefangene helfen Jugendlichen SH  wird am Standort Neumünster durch den Gefangenenfürsorgeverein Norderhelp e.V. finanziell und personell unterstützt.

 

Justizvollzugsanstalt Neumünster

Boostedter Straße 30
24534 Neumünster
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Anstaltsleiter Herr Ltd. Reg.-Dir. Alisch


Die JVA hat gemäß › 2 StVollzG die Aufgabe, den Vollzug der Freiheitsstrafe so auszugestalten, dass der Gefangene befähigt wird, künftig in sozialer Verantwortung ein Leben ohne Straftaten zu führen. Gerade die soziale Verantwortung der Gefangenen wird bei der Projektarbeit gestärkt.

 

Polizeidienststellen

Die Polizeidienststellen haben teilweise eigene Präventionsstellen. Mit diesen ist eine Zusammenarbeit wünschenswert, um sowohl eine Doppelbetreuung zu verhindern als auch um gefährdete Jugendliche zeitnah zu erreichen.


Jugendhilfeeinrichtungen

Das Hamburger Projekt "Gefangene helfen Jugendlichen" wird gerne und oft von Jugendhilfeeinrichtungen aus Hamburg und auch Schleswig-Holstein genutzt, um einen authentischen Zugang zur Auseinandersetzung mit den kriminellen Anfängen der Jugendlichen zu erreichen. Daher wird auch bei der Durchführung in Schleswig- Holstein eine solche Zusammenarbeit mit den Jugendhilfeeinrichtungen angestrebt.

Gefangene helfen Jugendlichen | Partner

Stand: November 2008