Schattentheater | Konzept

1. Wir über uns

Der gemeinnützige „Förderverein gegen Jugendgewalt e.V." wurde im Dezember 2006 in Flensburg von einer Gruppe gegründet, die auch im täglichen Leben mit schwierigen und gewaltbereiten Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen umgeht.
Unser Verein beschäftigt sich im Schwerpunkt mit Präventionsarbeit und führt Projekte in Flensburg mit eigener „Manpower" durch. Wir unterstützen bei Bedarf auch gewaltpräventive Projekte anderer.
Einen weiteren Schwerpunkt unserer Vereinsarbeit bildet unser Projekt „Gefangene helfen Jugendlichen SH", das wir in Kooperation mit dem Verein „Gefangene helfen Jugendlichen e.V." aus Hamburg und Norderhelp e.V. aus Neumünster durchführen.
In seiner Arbeit greift der Verein auf individuell entwickelte Konzepte zurück, die teils einen sozial-therapeutischen Hintergrund haben.

Der Verein möchte:

  • Kinder und Jugendliche bezüglich der Thematik „Gewalt" sensibilisieren
  • die Empathiefähigkeit von Kindern und Jugendlichen fördern
  • das Selbstbewusstsein von Kindern und Jugendlichen stärken
  • Kindern u. Jugendlichen Verhaltensweisen aufzeigen, Konflikten möglichst positiv, konstruktiv und gewaltfrei zu begegnen

 

1.1 Kooperation mit „Pädagogik plus Farbe"

Pädagogik plus Farbe wurde im Jahr 2003 gegründet.
Der Schwerpunkt der Arbeit richtet sich auf professionelle Farbgestaltung von Innenräumen aller Art, in erster Linie in sozial und pädagogisch genutzten Räumlichkeiten (z. B. Schulen, pädagogischen Einrichtungen, Kreissälen, Arztpraxen ect.). Der Fokus liegt auf der gemeinsamen Erarbeitung der Farbgestaltung mit den Nutzern der jeweiligen Räumlichkeiten nach farbkompositorischen Aspekten, um einen maximalen Identifikationscharakter zu gewährleisten. Beratung bei Fassadengestaltung und Geschäftseinrichtungen gehören ebenso zum Aufgabenspektrum, wie der Entwurf von Logos, Flyern und Visitenkarten.
Durch bereits gesammelte Erfahrungen im Bereich Schattentheater mit verhaltensauffälligen Mädchen in einer Hauptschule erweiterte sich das Spektrum auf ein Angebot in der darstellenden Arbeit. Seit 2009 existiert „Das Schattentheater" mit regelmäßigen öffentlichen Aufführungen um die Weihnachtszeit. Vertieft und erweitert wurde das Erlernte durch die Fortbildung „Die Sprache der Schatten" im Jahr 2010 durch das Theater der Schatten, Bamberg.


Pädagogik plus Farbe - Birte Mahlau
staatlich anerkannte Erzieherin, Tischlerin, staatlich geprüfte Gestalterin

 

2. Einleitung

Warum Gewaltprävention schon in Kindergarten und Grundschule?

Jedes Kind kennt Gewalterfahrungen, denn sie sind ein Baustein unserer sozialen Entwicklung. Wenn Kinder in den Kindergarten/Grundschule kommen, sind sie zum ersten Mal Teil einer größeren Gemeinschaft, in der sie ihren Platz finden und auch behaupten müssen. Sie werden mit eigenen Aggressionen und den Aggressionen anderer konfrontiert. Sie müssen lernen, damit umzugehen, ebenso mit den Reaktionen, die sie selber auf aggressives Verhalten zeigen und den Reaktionen, die eigenes Verhalten hervorruft.

Ziel der Auseinandersetzung mit dem Thema ist die Stärkung der sozialen Kompetenz und ein Bewusstmachen, dass das eigene Verhalten - ob positiv oder negativ - immer eine Konsequenz in der Gemeinschaft auslöst.

Kinder können gewaltbesetzten Situationen nicht aus dem Weg gehen. Sie werden immer wieder damit konfrontiert werden, aber sie können lernen, adäquat darauf zu reagieren. Das Erlernen von Kompetenzen stärkt die Persönlichkeit. Ein Kind, das sich seiner selbst und seiner eigenen Kompetenzen bewusst ist, wird sich seltener klein fühlen und weniger unsicher sein, denn Unsicherheit ist eine starke Motivation für aggressives Verhalten.

Kinder haben oft schon sehr früh Gewalterfahrungen. Im schlechtesten Fall erleben sie sie im Elternhaus in Form von Streit der Eltern, Auseinandersetzungen unter Geschwistern, Bestrafungen und Schläge und im schlimmsten Fall Missbrauchserfahrungen, um nur einige Beispiele zu nennen. Kinder sind Gewalt gegenüber noch machtloser als Jugendliche oder Erwachsene. Sie sind ihr physisch und psychisch ausgeliefert. Weder haben Kinder gelernt, Gewalt zu begegnen, noch können sie sich körperlich zur Wehr setzen. Sie sind noch nicht einmal in der Lage, das Erlebte zu verarbeiten. So passiert es häufig, dass frühe Gewalterfahrungen zu massiven Traumata führen, die das weitere Leben auf lange Zeit mitbestimmen.
Früh erlebte Gewalt zeigt einem Menschen seine Machtlosigkeit und führt zu einem Gefühl der Minderwertigkeit, dem der Mensch dann wiederum mit Gewalt entgegenzuwirken versucht. So beginnt ein Teufelskreis. Aus diesem Grund ist es umso wichtiger, so früh wie möglich mit der Gewaltprävention zu beginnen.

Schon im Kindergarten oder der Grundschule kann ein Kind lernen, sich adäquat zu verhalten und ggf. vorliegende Gewalterfahrungen zu verarbeiten. Frühe Gewaltprävention birgt die Chance in sich, den Teufelskreis zu durchbrechen und Kindern, die sich minderwertig fühlen, dabei zu unterstützen, gesundes Selbstbewusstsein und Vertrauen zu entwickeln.
Zu diesem Zweck müssen die Kinder auf spielerische Weise an das Thema herangeführt werden. Schattentheater eignet sich in ganz besonderem Maße zur Vermittlung der benötigten Inhalte.

 

2.1 Gründe für die besondere Eignung von Schattentheater als Medium in der Gewaltprävention

Schattentheater - ein Spiel mit Licht und Schatten. Dinge, die man nur als Schatten wahrnimmt, bekommen eine andere Form. Wir nehmen an der Schattenform andere Eindrücke wahr, als bei Licht besehen. Dennoch gehört beides, die Licht- und die Schattenform zu ein und demselben Gegenstand, aber wir sehen ihn nun mit anderen Augen, wir sehen mehr.
Dies lässt sich auf Situationen übertragen. Wenn wir eine erlebte Situation mit dem Schatten nachstellen, z. B. einen Streit auf dem Schulhof, dann betrachten wir in der nachgestellten Szene im Schauspiel diese schon mit mehr Abstand, in der nachgestellten Szenen im Schattenspiel betrachten wir diese ebenfalls mit Abstand, aber wir achten auch auf ganz andere Dinge.

Das, was wir auf dem Schattenschirm sehen, ist ein zweidimensionales Bild. Unwichtige Dinge, die sonst ablenken, fallen weg. Wir konzentrieren uns ganz auf das Geschehen zwischen den beteiligten Personen und unser Blick wird dort auf jede Kleinigkeit im zwischenmenschlichen Bereich gelenkt. Wir sehen mit anderen Augen und bekommen einen anderen Blickwinkel.

Tatsächlich erlebtes lässt sich mit Distanz darstellen und betrachten. Aufarbeitung von Erlebtem wird möglich, ohne andere zu verletzen oder klein zu machen. Möglichkeiten für Problemlösestrategien lassen sich so gut in der Gruppe erarbeiten. Die Kinder konzentrieren sich auf das Wesentliche, begünstigt durch Dunkelheit im Raum und Fokussierung auf das Geschehen auf der Bühne.

Die Bühne schafft Distanz, der Schatten vergrößert die Distanz noch mehr. So wird es möglich, sich dem Thema Gewalt auf eine spielerische Weise zu nähern und sich damit aktiv auseinander zu setzen.
Schattentheater hat zudem eine faszinierende und begeisterte Wirkung auf Kinder. Das Übliche des Kindergarten- oder Schulalltages lässt sich durch den Einsatz dieses Mediums durchbrechen, schafft es, zu entspannen und offen zu machen für das, was vor und hinter dem Schirm passiert.
Schattentheater als Medium in der Pädagogik hat sich gut bewährt und gewinnt einen immer größeren Stellenwert. Zitat (aus Menschenschattenspiel von Haehnel/Söll): „Gerade die Reduzierung von der Perspektive auf die Fläche, die Reduzierung von der Wahrnehmung der ganzen Person auf die Silhouette, fordert, weil sie so viel von der Persönlichkeit des Darstellers verbirgt, die Imaginationskraft des Zuschauers heraus. Dabei ist sicher bedeutsam, dass beim Schatten nur die Konturen und keine Details innerhalb der Form zu erkennen sind. Schließlich spielt gewiss ebenso der starke Kontrast zwischen der Helligkeit auf der Bühne und der Dunkelheit im Zuschauerraum für die Wirkung eine nicht unerhebliche Rolle".

Es hat sich herausgestellt, dass Schattenspiel Zuschauer sehr stark motiviert, selbst aktiv mitzuspielen. Die sonstige Scheu vor Darstellung z. B. beim Theater fällt weg, denn der Akteur ist ja nicht tatsächlich zu sehen, sondern nur sein Schatten.

Außerdem wirkt die Projektionsfläche gleichzeitig als Trennwand zum Zuschauer, gleich einem Schutzschirm. Auftretende Hemmungen sind nicht so massiv wie beim reinen Theater und lassen sich deshalb schneller abbauen. Die dargestellten Aktionen sind reduziert auf das Wesentliche. Eine Auseinandersetzung mit dem behandelten Thema ist unmittelbar möglich. Die Abstraktion gibt dem Akteur gute Möglichkeiten, selbst erlebtes darzustellen, ohne sich selbst bloßzustellen. Es ist eine gute Möglichkeiten, Situationen, die einem selbst passiert sind, nachzuspielen, ebenso Situationen, die einem Angst machen.
Schattentheater ermöglicht das Abspalten der eigenen Aggression und Angst und erleichtert es, sie von außen zu betrachten. Das macht eine Auseinandersetzung mit dem Thema Gewalt schon im Kindesalter realisierbar und deshalb als Medium so spannend.

 

3. Zielgruppe, Ziele und Dauer der Maßnahme, Projektbeschreibung

 

3.1. Zielgruppe

Kinder in Kindergärten und Grundschulen mit oder ohne Gewalterfahrungen
Die Gruppengröße ergibt sich aus der jeweiligen Gruppensituation. Sind in der Gruppenkonstellation schon Auffälligkeiten bekannt, dann empfiehlt sich eher das Arbeiten mit einer kleineren Gruppe, evt. nur die Kinder, die an den Konflikten beteiligt sind.

3.2 Ziel der Maßnahme

Auseinandersetzung der Kinder mit dem Thema „Gewalt" als Prävention und auch als Mittel, Gewalterfahrungen aufzuarbeiten.

3.3 Dauer der Maßnahme

Vorgespräch mit Lehren/Erziehern, die die Gruppe gut kennen, 60 Minuten
2 Tage mit jeweils 3 Schulstunden á 45 Minuten
Abschlussgespräch mit Lehrern/Erziehern, 60 Minuten
Gesamt: 6,5 Zeitstunden

3.4. Personaleinsatz

Wir arbeiten je nach Gruppengröße und Bedarf mit 1 - 2 pädagogisch ausgebildeten Mitarbeitern.

3.5 Benötigt Räumlichkeiten

Es sollte ein ausreichend großer Raum zur Verfügung stellen, der die Möglichkeit zur Verdunklung bietet. Wichtig ist ebenfalls, dass sich die vorhandene Möblierung zur Seite räumen lässt. Die Raumgröße richtet sich nach der Teilnehmerzahl.

3.6 Benötigte Ausstattung

Großes weißes Tuch aus Leinen oder Nessel. eine Leine und Klammern zum Spannen, Overheadprojektor, Medienkoffer, Flipchart.
Als Ergänzung eignet sich gut eine Filmkamera und die Möglichkeit, das Aufgenommene gemeinsam anzusehen (Fernseher, Rechner + Beamer)

 

4. Beispielhafte Durchführung der Modultage

Wir arbeiten nach Irmela Küffer "Schattentheater als Gewaltprävention in Schule und Jugendarbeit"
Die Einzelmodule haben jeweils die Länge einer regulären Schulstunde (45 Min)

1. Modultag:

Einzelmodul 1 - Einstieg in den Gewaltthemenbereich "Konflikte verstehen"
Einzelmodul 2 - Einstieg in das Medium Schattentheater
Einzelmodul 3 - Übungen zur gewaltfreien Konfliktaustragung

2. Modultag

Einzelmodul 1 - Menschenschattentheater zum Thema Gewalt, Auswertung des Erlebten
Einzelmodul 2 - Reflektion des Schattentheaterstücks
Einzelmodul 3 - Gesamtauswertung des Erlebten

 

5. Kosten

Die Kosten f. 2 Projekttage inkl. Vorgespräch und Abschlussgespräch betragen 300,00 €.

Birte Mahlau, 2010

Quellenangabe
Irmela Küffer "Schattentheater als Gewaltprävention in Schule und Jugendarbeit"
Tipps zur praktischen Durchführung, VDM Verlag Dr. Müller
Gerd Haehnel, Florian Söll "Menschenschattenspiel", Helbling Verlag
Wilfried Nold "Das Spiel mit den Schatten", Edition Aragon